Wer forscht, darf in Frankreich fordern


Gießkanne oder Harke? Frankreich und Deutschland unterscheiden sich in der Förderung von Innovation deutlich: Paris schwört auf erfolgreiche Steuergutschriften für Forschung, Berlin hält fest an der Gießkanne für bestimmte Cluster und will sparen. Eigentlich wäre beides gut. Doch keiner will vom Nachbarn lernen. 

Die EU-Kommission mahnte ihre Mitgliedsstaaten im März durch eine Mitteilung, sie müssten „mehr steuerliche und finanzielle Anreize geben, um private Forschung anzukurbeln“.

Beispiel Biotechnologie: In Deutschland forschen in dieser Branche rund 27.000 Menschen an mehr als 700 Forschungsinstituten. 2008 lockerte der Staat dafür 2,8 Milliarden Euro. Hinzu kommen leider nur weniger als die Hälfte (1,1 Milliarden Euro) an Drittmitteln.

Eine vom Bundesministerium für Forschung bezahlte Umfrage bestätigt: Die Anzahl von Kooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft könnte höher sein. Genau dort, wo auch marktreife Produkte entstehen, nämlich im Anschluss an Forschungsprojekte, kooperieren deutsche Forscher zu selten mit Firmen.

Dabei würden mittelständische Unternehmer gerne öfter in Forschung investieren – wenn sie könnten. Ihnen fehle jedoch nötiges Eigenkapital, warnt der DIHK: „Das Innovationspotenzial des Mittelstands ist unausgeschöpft“.

Drei Viertel (77 Prozent) der institutionellen Forschung in Deutschland kreisen deshalb im rein akademischen Zirkel – das heißt, Hochschulen und Institute bleiben unter sich.

Meist springen große Konzerne bei teuren Studien und Experimenten ein. Ganz unabhängig von der Frage, wie frei Forschung sein muss: Partner aus Industrie und Mittelstand findet in Deutschland nur jede fünfte Forschungseinrichtung (20 Prozent), so die Studie von Bundesbildungsministerin Annette Schavan.

Andere Wege geht Frankreich. Mit einer Steuergutschrift lockt Paris große wie kleine Firmen in Forschungsprojekte. Mit schlimmen Folgen für den Staatshaushalt: Der Crédit d’impôt recherche explodierte von 430 Millionen Euro (im Jahr 2004) auf zuletzt 4 Milliarden Euro. Mit noch einmal rund 3 Milliarden Direktzuschüssen sieht sich Frankreich als Weltmeister der Forschungsförderung.

„Das hätten wir gerne“, sagt BDI-Experte Heinrich Höfer. „Es wäre aber schon gut, wenn in Deutschland wenigstens die Lohnkosten für forschendes Personal laufend abzugsfähig wären.“

Der Wettlauf um Forscher und Innovationen ist international. Deutschland steht dabei vor einer wichtigen, politischen Weiche: Darf der Einstieg in steuerliche Forschungsförderung kommen? Oder bleibt alles besser wie bisher?

Die OECD hat vorgerechnet: Deutschlands Staatshilfen können sich weltweit messen. Eine steuerliche Förderung von Innovationen aber fehlt – im Gegensatz zu Kanada, Österreich, Norwegen, Großbritannien, USA oder Australien.

Gegen Steuergutschriften wie in Frankreich argumentiert in Berlin überraschenderweise vor allem Bundesinnenminister Thomas de Maizière. Ein Sprecher des langjährigen sächsischen Staatsministers begründet dessen Ablehnung mit den Worten: „Unsere direkte Projektförderung in Ostdeutschland hat sich bewährt und sollte nicht reduziert werden.“ Hohe Steuerausfälle könne Berlin sich nicht leisten.

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