Frauen bauen auf Familienpower


Die Saint-Gobain Building Distribution Deutschland GmbH nennt es « partizipative Personalplanung ». Der Baukonzern mit deutschem Sitz in Frankfurt am Main will damit das raue Männerbild seiner Branche aufpolieren: Hierzu gründete die Baustoffhandelssparte des französischen Konzerns mit 16 weiteren Arbeitgebern ein Kompetenzzentrum BAU für Ausbildung, das auch Frauen ansprechen soll.

Außerdem entwickelt eine « Task Force » aus 40 Frauen zusammen mit dem Management auch Teilzeitmodelle für Führungsetagen.

Die Saint-Gobain Building Distribution Deutschland GmbH wird vermutlich so schnell nichts daran ändern, dass auf deutschen Baustellen Männer den Ton angeben. Schätzungsweise zwei Bauarbeiter von 100 sind weiblich. In den eigenen Niederlassungen sieht es mit 20 Prozent Frauen schon besser aus. Aber verglichen mit Banken oder typischen Bürofirmen befinde sich Saint-Gobain für Frauen « am unteren Ende der Beliebtheitsskala », weiß Geschäftsführer Dieter Babiel.

Babiel würde es durchaus begrüßen, wenn sich mehr Mädchen und Frauen für eine der klassischen Männerdomänen, wie Ingenieur, Mechaniker oder Elektroniker erwärmten. Im Bereich Handel und Dienstleistung dürfe die Frauenquote ebenfalls steigen. Obwohl der Konzern keine Unterschiede zwischen Geschlechtern macht, und 4 Prozent seiner Lohnsumme in Aus- und Weiterbildung steckt, fehlen Saint-Gobain für einen gesunden Personalmix mehr weibliche Mitarbeiter.

Was die Elternzeit angeht, können sich sowohl Frauen wie Männer freistellen lassen. « Trotzdem tun sich viele Mitarbeiterinnen schwer, bei Männern um familiengerechte Arbeitszeiten zu bitten », ergänzt Claire Pedini, Vizepräsidentin für Human Resources bei Saint-Gobain. Sie hatte die Idee, im April 2011 eine weibliche Arbeitsgruppe zu gründen.

Das Konzept ist bewusst von Frauen für Frauen, nicht von Männern für Frauen. Schon beim ersten Treffen der 40 Mitarbeiterinnen im Frankfurter Headquarter zeigte sich aber zur Überraschung: « Wir müssen nicht frauen- sondern familienfreundlicher werden. » Saint-Gobain solle zum Beispiel auch seine Männer ermutigen, Elternzeit zu nehmen, oder Teilzeit zu beantragen, hieß es. Allgemeine Flexibilität sei sinnvoller als eine nominale Frauenquote.

Wissenschaftliche Studien bestätigen immer wieder, dass Frauen ihre Karriere stärker auf soziale Faktoren ausrichten. Es könnte dem Konzern helfen, dass die Saint-Gobain Building Distribution Deutschland GmbH gleichzeitig Migranten aktiv anwirbt. Die demographische Wende zwingt Manager auch hier auf neue Personalwege: In einer hauseigenen Akademie, die zusammen mit der Mannheim Business School auch ein Studium ermöglicht, sollen Mitarbeiter fremder Herkunft zum Beispiel Deutschkurse erhalten.

In Frankreich war Saint-Gobain schon immer gewohnt, stärker auf Nachqualifikation zu bauen – weil eine starke duale Ausbildung wie in Deutschland fehlt. Auch Quereinsteiger sind in Frankreich üblicher. Der Konzern besteht schon seit rund 350 Jahren. 1665 unter Ludwig XIV. gegründet, um den Spiegelsaal von Versailles zu bauen, beschäftigt die Tochtergesellschaft in Deutschland insgesamt ca. 20.000 Mitarbeiter.

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