SANOFI AN DER PATENTKLIPPE


Le géant pharmaceutique Sanofi a fait ses adieux à son ancienne « raison d’entreprise » qui ne tient plus bon. Les coûts de la recherche en Europe sont élevés, les nouvelles licences de médicaments font défaut, les brevets de produits jusqu’aujourd’hui profitables expirent, et les prix mondiaux sont sous pleine pression.

Der französische Pharmariese Sanofi hat sich verabschiedet von seinem früheren Geschäftsmodell. In Europa zieht es nicht mehr: Die Forschungskosten sind hoch, neu zugelassene Medikamente selten. Hinzu kommen ablaufende Patente und globaler Preisdruck.

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Insulinproduktion in Frankfurt.

2012 ist für Sanofi ein Jahr der Schmerzen. In diesen zwölf Monaten enden für den Konzern, der 2011 einen Umsatz von über 33 Milliarden Euro bewegte, mehrere Patente für wichtige Arzneien. Sanofi entwickelt Impfstoffe und rezeptpflichtige Medikamente für Herz und Kreislauf, Mittel zur Behandlung von hohem Blutzucker, Krebs und inneren Krankheiten. Jahr für Jahr wächst aber die Liste der Produkte, von denen billige Kopien auf dem Markt sind. Im Mai zum Beispiel verlor der Blutverdünner Plavix seinen US-Patentschutz. Mit weltweit 9,3 Milliarden US-Dollar Umsatz war das Präparat im vergangenen Jahr ein Branchenprimus.

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Sanofi-Chef Chris Viehbacher.

Patentabläufe dieses Kalibers sind für Pharmahersteller bedrohlich. Plötzlich darf ihr Arzneimittel, das jahrelang Profit versprach, von Konkurrenten verkauft werden. Der Chef von Sanofi, Chris Viehbacher, stellt klar: « Wer in den USA ein Patent verliert, verliert binnen drei Wochen 90 Prozent seines Umsatzes. » Auch Pfizer verabschiedete sich kürzlich von Milliardengewinnen durch seinen Cholesterinsenker Lipitor, und Merck kämpft gegen Konkurrenz für das Asthma-Mittel Singulair. Fast alle Pharmakonzerne stecken dieses Jahr im Umbruch: Jedes zweite der zwölf weltweit umsatzstärksten Medikamente verliert 2012 den Patentschutz.

Das Geschäftsmodell der Pharmaindustrie sei am Ende, sagen zwei von drei Managern laut der Studie „Pharma Trends 2012“ der Unternehmensberatung Booz & Co. Patentierte „Blockbuster“, die jährlich Milliarden einbrachten, scheinen überholt. Die befragten Chefs setzen in Zukunft eher auf Medikamente für seltene Krankheiten und auf besondere Patienten. Erstattungen für seine Medikamente zu erzwingen, fällt Sanofi in Europa zunehmend schwer. Um dennoch zu wachsen, erschließt das Unternehmen junge Märkte in China, Nigeria, Mexiko oder Brasilien. Dort produziert es selber günstige Nachahmerprodukte, für die jedes Jahr Millionen Menschen erstmals Geld ausgeben.

Um vom Wachstum der Schwellenländer zu profitieren, braucht Sanofi eine andere Strategie. Klassische Pharma-Geschäfte aufgrund von Patenten verschärfen in armen Staaten die Probleme, statt sie zu lösen, sagt der deutsche Gesundheitswissenschaftler Jörg Schaaber. „Auch in Industrieländern wächst die Einsicht, dass das bisherige Modell großer Firmen teuer und ineffektiv ist. Der gesellschaftliche Vertrag, den Patentrechte darstellen – ein befristetes Monopol zur Finanzierung gesundheitlich sinnvoller Forschung – funktioniert einfach nicht mehr.“

Manager von Sanofi sehen das ähnlich. Viehbacher will, dass Europas Marktführer bis 2017 etwa 40 Prozent des Gesamtumsatzes in Schwellenländern generiert. Schon heute macht der Global Player nur noch ein Drittel seiner Gewinne in der Europäischen Union. Das Management in Paris sucht mehr Unabhängigkeit vom Patentschutz; in Europa zum Beispiel durch Arzneien für Tiere oder zur persönlichen Gesundheitspflege.

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Qualitätskontrolle in Peking.

In Frankfurt, einem hochmodernen Standort zur Insulinherstellung, startet in diesen Monaten die Produktion des neuen Blutzucker-Senkers Lyxumia. Am selben Standort wurden dieses Jahr 330 Stellen für Forschung und Entwicklung gestrichen. In Frankreich will Sanofi ebenfalls ausmisten. Forschungsbereiche und die Herstellung von Impfstoffen für Menschen würden neu aufgeteilt, sagte der Chef von Sanofi-France, Christian Lajoux, im Juli. Speziallabore sollen gezielter Produkte finden, die Kasse machen. Das könnte auch in Frankreich Forschungsplätze kosten.

Sicher ist jedenfalls, dass eine Kulturwende stattfindet. Innovationen entspringen heute nicht mehr der Chemie, sondern der Biologie – das heißt bei Sanofi häufig: der Firmenkasse. Unternehmenskäufe sind Alltag bei den Franzosen. Für den Erwerb von Genzyme im Jahr 2011 wurden gut 20 Milliarden US-Dollar gezahlt; noch immer stehen jährlich 2 bis 3 Milliarden Euro für Übernahmen zur Verfügung… Der Konzern mit Herz in Paris gleicht einer Amöbe: 2004 durch die Fusion von Sanofi-Synthélabo und Aventis entstanden, beschäftigt das Unternehmen heute rund 110.000 Mitarbeiter. Auch Aventis war 1999 Ergebnis einer Verschmelzung der angeschlagenen Frankfurter Hoechst AG mit Rhône-Poulenc.

Will Sanofi boomende Volkswirtschaften erobern, muss der Konzern mehr auswärts forschen, fertigen und lokale Partner finden. Am meisten Hoffnung weckt China: Aufgrund des 2011 erlassenen, zwölften „Fünfjahresplanes“ soll der Biomedizin-Markt der Volksrepublik jährlich um 19 Prozent wachsen. Jede zweite Arznei in China ist für alte Menschen bestimmt, die Gesellschaft altert schnell, und bis 2050 dürften 400 Millionen Menschen über 60 Jahre sein, schreibt die Hong Kong Economic Times. Jüngere Patienten, die sich eine gute Versorgung leisten können, sind ebenso interessant.

Forschungszentrale in Straßburg. FOTOS: Interlinks Image

Chinas Regierung hat zudem einen Hilfsfonds für die Entwicklung neuer Medikamente aufgelegt. Dafür veranschlagt Peking insgesamt 1,4 Milliarden Euro, einzelne Projekte erhalten zwischen 140.000 und 1,4 Millionen Euro Forschungsgeld. Mit diesem Köder locken die Chinesen ausländische Gesellschaften in Joint-Ventures. Japanische Unternehmen haben auf diesem Wege den meisten Erfolg, auch dank gutem Branding.

Der deutsch-französische Konzern steht in Wachstumsregionen mit immer noch armer Bevölkerung vor zwei Problemen: Der Preiskampf ist selbstmörderisch, und klassische Patente für Massenpräparate fruchten wenig. Neue Produkte zu entwickeln, kostet Pharmahersteller bisher durchschnittlich 400 Millionen Euro, sagen Marktforscher von IMS Healthcare. Generika-Hersteller aus Indien oder China vermarkten Kopien solcher Arzneimittel aber früher oder später für weniger als ein Zehntel des Preises.

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