C’est le VIE


JUNGE MENSCHEN HABEN ES ZURZEIT SCHWER AUF FRANKREICHS ARBEITSMARKT. UMSO HÖHER IST DAS INTERESSE AN EINEM START IN DEUTSCHLAND. DORT BEGINNEN KARRIEREN ZUM BEISPIEL BEI ERAI IN STUTTGART.

Camille d´Harboullé und Florence Gündisch von ERAI München, sowie Celine Eheim mit Christina Stroh, Nathalie Worzala und Carolin Pöschke von ERAI Stuttgart.

Camille d´Harboullé und Florence Gündisch von ERAI München, sowie Celine Eheim, puis Christina Stroh, Nathalie Worzala et Carolin Pöschke von ERAI Stuttgart.

Seit 14 Jahren gibt es das Volontariat International en Entreprises (VIE). Die Nachfrage um die beruflichen Sprungbretter im Ausland ist groß. Laut Ubifrance, der französischen Agentur für Außenhandel, bewarben sich dieses Jahr rund 65000 junge Menschen unter der Adresse civiweb.com mit ihrem Lebenslauf um ein VIE. Im September wurden daraus 8200 Kandidaten ausgesiebt, denen rund 1800 französische Unternehmen gegenüber stehen. Nicht jeder hat Glück. Ins Ausland kommen nur die Besten.

Gaelle Sigaud (23), Sedi-Ati

Gaelle Sigaud (23), Sedi-Ati

« Unsere Firmen sparen mit einem VIE auch beträchtlich Steuern », schildert Céline Eheim, die in Stuttgart die Außenhandelsberatung für französische Unternehmen ERAI leitet. In der Hauptstadt von Baden-Württemberg coacht sie derzeit acht Volontäre. Zwei weitere Mitarbeiter kümmern sich um zusätzliche Volontäre im ERAI Zweigbüro in München. Auf Grund der höhen Nachfrage wird das Büro in München 2015 sogar erweitert. Ein breiter Flur, Glastüren und Schreibtische, die in Rufweite voneinander stehen – für französische Konzerne und Verwaltungen ist so viel Nähe ungewöhnlich. « Wer in Deutschland erfolgreich Geschäfte machen will, muss auch arbeiten wie die Deutschen », sagt Eheim. Die Präsidentin des deutsch-französischen Club d ́Affaires von Baden-Württemberg weiß, wovon sie spricht.

Guillaume Leroux (25), Spic et Albert

Guillaume Leroux (25), Spic et Albert

Es ist Herbst in Stuttgart. Die acht Volontäre, die an diesem kalten Nachmittag Interviews geben, sind trotzdem bester Laune. Schüchtern bis selbstbewusst wird am Geburtsort von Bosch und Daimler über Geschäfte geredet, über deutsch-französische Unterschiede gelacht, in beiden Sprachen. Die jungen Frauen und Männer zwischen 18 und 28 Jahren leiten anspruchsvolle Projekte für französische Start-Ups, für kleine Mittelständler oder für Firmen mit mehreren 100 Angestellten. Sie sollen Exporte nach Deutschland ankurbeln und hier, vor Ort, Vertriebsnetze knüpfen. Dafür ist den freiwilligen Auslandshelfern rund 1800 Euro steuerfreies Gehalt
sicher. « Wenn es nach sechs bis 24 Monaten gut läuft, werden sie sehr oft übernommen », sagt Céline Eheim.

Hakim Chergui (26), Mermet

Hakim Chergui (26), Mermet

Immer mehr Absolventen suchen so einen Auslandseinsatz. 20 bis 30 Absagen stecken die meisten ein, bis es klappt. Lauranne Pari bereut ihren Bewerbungsmarathon für das VIE überhaupt nicht: « Wenn du jetzt mit 25 kein Wagnis eingehst, wirst du dich später nicht mehr trauen, habe ich mir gesagt. » Ein Silizium-Hersteller aus der Nähe von Genf hat sie zwölf Monate lang unter Vertrag. Das 20 Mitarbeiter kleine Unternehmen Siltronix bietet deutschen Kunden keine Massenware an, sondern Einzelstücke. « Hier sitzen internationale Forschungslabors für Physik, Chemie und viel Industrie », schildert Lauranne. « Wer für weltberühmte Adressen arbeitet wie das Fraunhofer Institut Dresden, hat überall die beste Visitenkarte. »

Ilenia Martella (28), CNSE

Ilenia Martella (28), CNSE

Internationale Luft auf deutschsprachigen Märkten schnuppert auch Audrey Clause. Ihr Auftraggeber Isermatic aus Roussillon stellt pfiffige Alu-Spannrahmen her. Daraus lassen sich Werbeflächen zaubern, die Autofahrern zum Beispiel am Stuttgarter Flughafen ins Auge springen. « Was nachher kommt, weiß ich nicht », gesteht die junge Ökonomie-Absolventin. « Das Volontariat war für mich eine strategische Wahl für meinen Lebenslauf – ich will mein Diplom nicht einfach verschwenden. » Ihr akzentfreies Deutsch verdankt die Volontärin auch einem Erasmusjahr in Villingen-Schwenningen und einem Marketing-Praktikum bei einem Berliner Start-Up.

Lauranne Pari (25), Siltronix

Lauranne Pari (25), Siltronix

Stuttgart ist aber mehr als ein Scharnier für Auslandseinsteiger. Schon seit 1987 sitzt hier die Entreprise Rhône-Alpes International (ERAI). « Viele Unternehmer der Region Rhone-Alpes rufen bei uns an, um Geschäftspartner zu finden », erzählt die Deutschland-Geschäftsführerin, Céline Eheim. ERAI wurde 1987 auf Initiative der Regionalregierung in Lyon gegründet. Das Netzwerk fördert die Wirtschaft rund um Frankreichs drittgrößte Metropole und darüber hinaus und hilft kleinen und mittelständischen Firmen beim Sprung ins Ausland. Inzwischen gibt es 27 ERAI-Büros in aller Welt – zwei davon in Deutschland.

Paul Pierret (25), Alutec

Paul Pierret (25), Alutec

Stereotype und falsche Hoffnungen im deutschen Markt halten sich bis heute. Céline Eheim rät ihren Landsleuten immer wieder: « Lassen Sie sich von jemand helfen, der Ihre deutschen Partner versteht. » Englisch mag für den Anfang ausreichen, wenn Tarife angedeutet und Verträge skizziert werden, sagt sie. « Wenn es aber ans Eingemachte geht, verlangen deutsche Unternehmer eine Person, die ihre Sprache spricht. »

Audrey Clause, Isermatic

Audrey Clause, Isermatic

Wenige Franzosen wissen, dass deutsche Firmen bis zu 30 Prozent ihres Umsatzes auf Messen vorbereiten. Verständliche Formulare sind ein weiteres Plus. Das VIE eines Deutsch sprechenden Berufsanfängers baut Brücken – möglicherweise ist aber auch ein älterer Profi gefragt. ERAI Allemagne schließt mit seinem Programm Implantis in Stuttgart und München auch diese Lücke. Ein « Welcome Package » zeigt französischen Auslandsbeauftragten ihren Weg zur Bank, vermittelt Rechtsberater und steckt in dreimonatigen Coachings klare Ziele. So können der Mitarbeiter in Deutschland und sein Unternehmen in Frankreich sicher sein, dass sie tatsächlich schaffen, was Marktstudien nur versprechen.

(C) PETER HAUFF 11/2014

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